Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

Für interessierte Gruppen (Geburtstage, Hochzeiten, Jahrgänge, Jubiläen, Ausflüge, Schulklassen, Firmenveranstaltungen, etc.) bieten wir auch Führungen nach Vereinbarung an.

Mitmachen

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Die Geschichte der Burg Sperberseck

 

Lage 

Rund 15 km südöstlich von Kirchheim zweigt kurz vor der Ortschaft Gutenberg im Talschluß der Lauter in fast südlicher Richtung ein Seitentälchen in beinahe südlicher Richtung ab, das Donntal. Dort liegt, knapp unterhalb des Traufs, recht abgeschieden und zusätzlich durch den Wald ziemlich verborgen, auf dem nach N vorstoßenden, nach drei Seiten steil abfallenden Bergsporn die Ruine der Burg Sperberseck. Sie ist zwar frei zugänglich. Um zu ihr zu gelangen, muß man jedoch einen Höhenunterschied von 550 m im Tal bis auf 728 m zur Ruine überwinden. Diese Mühen ließen sich weitaus leichter ertragen, wenn man der Höhle knapp unterhalb der Ruine (687 m) einen Besuch abstatten könnte. Dies wäre jedoch nur in der warmen Jahreszeit möglich. Sonst ist sie mit einem Tor verschlossen. Auch ist von der namengebenden Mondmilch nur noch wenig zu bewundern. Diese weißlichen Kalkablagerungen sind sehr emp-findliche Calcitkristalle, die man deshalb nicht berühren sollte. Zudem befindet sich das gesamte Gelände heute lei¬der innerhalb der Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, und dieser Weg steht der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung.


Vom Gelände der Burgruine Sperberseck kann man wegen des dichten Waldbewuchses nur eine stark ein¬ge¬schränkte Aussicht genießen. Allenfalls in der kalten Jahreszeit kann man hinter den kahlen Baumästen die Umgebung des tiefer ge¬le¬genen Donntals und des Lautertals erahnen und die gegenüber liegenden Albhöhen, ja vielleicht sogar den nahen Römersteinturm sehen. Ein Besuch von Sperberseck lohnt sich wegen der urwüchsigen Vegetation des Platzes, der Abgeschiedenheit des Ortes und der einstigen Beziehung zu den Herren von Neuffen dennoch.
Etwas einfacher, wenngleich nicht kürzer, ist die Annäherung, wenn man als Ausgangspunkt eines Besuches den Wanderparkplatz auf der Albhochfläche gut 1 km nördlich von Böhringen an der L252 wählt. Von dort geht es links ab nahezu eben zunächst am Waldrand entlang fast 2 km bis zur Ruine. Bei einer kleinen Rund¬wanderung ist wegen der einmaligen Aussicht ein Besuch des Römersteinturmes unbedingt mit einzuplanen

 

Namen und ErbaueR 

Berthold (I.) von Sulmetingen-Böhringen-Sperberseck, der Vater von Mangold von Sulmetingen, dem Erbauer des Hohenneuffen, läßt um 1090 oberhalb des Donntales eine Höhenburg bauen und wählt als Burgnamen – wie es im Lenninger Tal zu dieser Zeit wohl üblich ist – einen Vogel, den Sperber. Berthold mit dem Beinamen „von Sperberseck“ tritt 1092 erstmals ans Licht der Öffentlichkeit. Er ist herzoglicher Fahnenträger und stirbt später als Mönch im Kloster Zwiefalten – wie so mancher Angehöriger des alten Sulmetinger / Neuffener Geschlechtes.
Die 1385 erstmals genannte Burgkapelle hat den Hl. Nikolaus als Namenspatron. Auch in Kohlberg steht (seit 1102) eine diesem Heiligen geweihte Kirche, und in Beuren wird (um 1200) eine Nikolauskapelle geweiht. Bertholds hochadelige Familie entstammt, wie schon erwähnt, dem Hause Sulmetingen (s. Stammbaum der Herrem von Neuf¬fen), seine Frau kommt aus dem Hause Winterthur. (Ober-) Sulmetingen liegt ca. 30 km südl. von Ulm in der Nähe von Laupheim; die Burg dort ist seit 973 bezeugt. Aus ihren Reihen kommen namhafte Persönlichkeiten, die im Inve¬stiturstreit auf Seiten der Reformer stehen. Die begüterte Familie hat weiteren Besitz im Albvorland um Neuffen und Köngen, natürlich in Oberschwaben um Sulmetingen herum, aber auch in Bayerisch-Schwaben um Weißenhorn und im Thurgauischen in der Schweiz. Warum das wohl beleumundete Geschlecht seine ursprüngliche Heimat in Ober¬schwaben verlassen und sich gerade hier, am auch strategisch sehr abgelegenen Albtrauf, niedergelassen hat, wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben. Es könnte sein, daß dies wegen des Erbes der Frau  geschah.
Mit entscheidend für gerade diesen Standort mag auch gewesen sein, daß mit der heute „Burgbrünnele“ genannten Quelle im gut 300 m entfernten Vorfeld eine wegen des vulkanischen Untergrunds praktisch nie versiegende Wasser-stelle vorhanden war. Ohne diese wäre eine Burg auf der ansonsten praktisch wasserlosen Albhochfläche kaum bewohnbar und im Angriffsfalle nie zu halten gewesen.

 

Anlage

Die Burg war durch Quergräben in Vor- und Hauptburg gegliedert. Von der annähernd rechteckigen Vor-burg ist heute fast nichts mehr erhalten. Sie lag hinter einem breiten ersten Graben mit anschließendem Wall. Danach folgte der heute noch etwa 14 m breite und 10 m tiefe Halsgraben, durch den heute der Zu-   

 

Rekonstruktionszeichnung mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Braun unter:
rekonstruktionszeichnungen deutscher burgen wolfgang braun
Fotos: A. Palesch, Neuffen, Juni 2013

 

gang führt. Hier steht man vor der trotz des fortschreitenden Verfalls immer noch beeindruckenden 3,1 m dicken, 6,4 m hohen und ehemals 23 m breiten Schildmauer, so daß man die Anlage dem Typus einer Schild¬mauerburg zuordnen kann. Die Schildmauer sollte die Kernburg von der Feldseite her schützen. Das Kern¬mauer¬werk ist mit Bruchsteinen im Fischgrätenverband ausgeführt. Nur innenseitig ist noch die Klein¬quader¬verblendung sichtbar. An die Schildmauer schloß sich eine die ganze Kernburg umschließende, dem Fels¬verlauf folgende polygonale Umfassungsmauer an. Innerhalb dieser verhältnismäßig kleinen Fläche sind noch einige an die Außenmauer angelehnte Gebäude durch Mauerreste lokalisierbar, so u.a. die Küche neben dem an der Westseite anzu¬nehmenden Burgtor. Schließlich erkennt man an den Bergflanken einen ca. 10 m tiefer liegenden, zwinger¬artigen Absatz, der im N in eine verbreiterte Hangterrasse übergeht.
Im Donntal unterhalb der Burg liegt der für die Existenz der Burg unbedingt notwendige Wirtschaftshof.
zur Bildergalerie: Bilder zu ruine sperberseck


Weitere Geschichte

Die Herren von Sperberseck sind als Ministeriale der Zähringer, der Herzöge von Teck und der Württemberger ge-nannt. Ebenso sind sie in den folgenden Jahren und Jahrzehnten an zahlreichen Rechtsgeschäften beteiligt.
Der Sohn Berthold (II.) der Ältere hat 1092 das ehrenvolle und einflußreiche Amt des schwäbischen Bannerträgers inne. Er stirbt vor 1145 als Mönch im Zwiefalter Kloster ebenso wie ein weiterer Bruder, Ulrich von Sulmetingen, vor 1150.
Die beiden Bertholde sind 1092 Zeugen in einer Urkunde anläßlich der Schenkung Graf Burkhards von Nellenburg an das Kloster Allerheiligen. Sein Sohn, wieder ein Berthold, soll dem Kloster Zwiefalten aus dem Heiligen Land kostbare Reliquien wie z.B. Teilstücke vom heiligen Kreuz und der Krippe sowie Erde vom Kalvarienberg und dem Grabe Jesu mitgebracht haben. Später wurde auch er Mönch des Klosters.
Um 1100 gründet der Sohn Bertholds, Mangold von Sulmetingen, die Burg Hohenneuffen, in der Luftlinie kaum 15 km entfernt. Diese weitere Burgengründung deutet auf eine wohlhabende und einflußreiche Familie hin.
Die Herren von Sperberseck haben vom 12. bis ins 14. Jahrhundert die Ortsherrschaft über Böhringen.
Erlewein von Sperberseck zeugt 1152 in einer Urkunde des Herzogs Bertold von Zähringen.
Um 1192 verkauft der Freie Albert von Sperberseck u.a. 3 Ritterlehen und Wälder auf der Markung Böhringen samt einem Viertel der dortigen Kirche an den Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen.
Die Gründung der Burg Tachenhausen durch Kraft von Sperberseck und der Burg Hofen bei Grabenstetten wird mit den Herren von Sperberseck in Verbindung gebracht.
Mitte des 14. Jahrhunderts sind die Herren von Sperberseck württembergische Lehensträger in Hengen.
Von 1356 bis 1361 ist Heinrich von Sperberseck als Bannerführer der Stadt Pisa bezeugt.
1384 wird Schlattstall in Verbindung mit den Herren von Sperberseck zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1433 erwerben die Herren von Sperberseck die Mühle und andere Güter des Conrad von Hofen in Schlattstall.
Hans von Sperberseck fällt 1386 in der Schlacht bei Sempach.
Auch in Brucken, Gutenberg, Owen, Nürtingen und in Talheim haben die Sperbersecker Besitzungen, ebenso gehört ihnen das Kirchenpatronat in Heutingsheim.
Schon 1388 ist der im Tal gelegene Wirtschaftshof nicht mehr bewohnt.
Ab 1428 sind die von Sperberseck in Oberensingen genannt, 1438 veräußerten die Brüder Hans und Ulrich von Sper-berseck ihren Besitz im Dorf, den Burgstall und die Vogtei an Gräfin Henriette von Württemberg.
Danach schweigen die Quellen.

 

 

Niedergang und Ende

 Über das Ende der Burg gibt es keine verwertbaren Aufzeichnungen. Sie soll schon anfangs des 15. Jahrhunderts als Wohnsitz aufgegeben worden sein. Anderen Angaben zufolge wurde sie 1525 im Bauernkrieg zerstört. Das Ge-schlecht der Sperbersecker erlischt 1718 (oder 1728) mit Johann Philipp von Sperberseck.
Die nächsten Jahrhunderte zerfällt die Ruine immer weiter, bis sie schließlich im Jahr 1978 durch die Forstdirektion Stuttgart und das Staatliche Forstamt Kirchheim gesichert und so vor dem endgültigen Zerfall gerettet wird.
Von der einstigen Burganlage sind heute leider nur noch Schildmauer, geringe Reste von Wall und Graben, Stei-ne einzelner Mauerfundamente und das Burgbrünnele im Vorfeld erhalten. So findet man Quader zum Beispiel am öst¬lichen Ende der Burg, zum Hof hin, eine Mauer des Palas und an der Westseite Grund- bzw. Wehr-mauern. Die räumlich recht beschränkte Burgruine ist von einer 3,1 m starken, auf rund 17 m ebenfalls erhaltenen, äußeren Schildmauer umgeben. Ihr vorgelagert liegen ein erster Halsgraben und ein zweiter noch tieferer Graben.
Gut 300 m südöstlich ist die Anlage zur Wasserversorgung der Burg, das „Burgbrünnele“, dagegen gepflegt und noch recht gut erhalten.

 

Quellen und Literatur

 Der größte Teile dieses Textes stammt aus:
• M. Koch: Die Ritterburgen und Bergschlösser im Königreich Württemberg,
Verlag E. F. Richter, Cannstatt 1828
• Johann Daniel Georg von Memminger: Beschreibung des Oberamts Biberach,
Cotta, Stuttgart und Tübingen 1837
• Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Kirchheim, 1842
• Hans-Martin Maurer: Die hochadeligen Herren von Neuffen und Sperberseck im 12. Jahrhundert,
aus: Zeitschrift für württ. Landesgeschichte, Stuttgart 1966
• Prof. Dr. Hans Schwenkel (Hrsg.), Heimatbuch des Kreises Nürtingen, Band I + II,
herausgeg. im Auftrag des Kreisverbandes Nürtingen, Druck- und Verlagsanstalt Würzburg 1953
• Alexander Antonow: Burgen des südwestdeutschen Raums im 13. und 14. Jahrhundert - unter besonderer Berücksichtigung der Schildmauer. Verlag Konkordia, Bühl/Baden 1977
• Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb, Band 4: Alb Mitte−Nord – Wandern und entdecken zwischen Aichelberg und Reutlingen. Biberacher Verlagsdruckerei, Biberach 1991
• Walter Bär: Der Neuffen – Geschichte und Geschichten, 1. Auflage, herausgeg. von der Stadt Neuffen, 1991
• Friedrich Wilhelm Krahe: Burgen des deutschen Mittelalters – Grundriss−Lexikon,
2. Auflage, Flechsig Verlag, Würzburg 2000
• sowie aus handschriftlichen Aufzeichnungen aus dem Archiv des Stadtmuseums Neuffen